Rakija trinken: So geht es richtig – Temperatur, Glas & Balkan-Tradition
Ein kleines Glas, ein kräftiges „Živeli!“ und runter damit? Wer zum ersten Mal Rakija trinken möchte, stellt schnell fest: Ganz so simpel ist es nicht. Auf dem Balkan ist Rakija schließlich viel mehr als irgendein hochprozentiger Schnaps, der möglichst schnell im Glas verschwinden soll.
Rakija gehört seit Generationen zu gemeinsamen Essen, Familienfeiern und besonderen Anlässen. Dabei gibt es durchaus Unterschiede darin, wie Sie Rakija trinken und servieren können. Temperatur, Glas und sogar die jeweilige Rakija-Sorte beeinflussen den Geschmack. Gerade hochwertiger oder lange gereifter Rakija sollte deshalb nicht einfach eiskalt als Shot getrunken werden.
Aber wie sollte man Rakija trinken? Kalt oder bei Zimmertemperatur? Vor oder nach dem Essen? Und welche Speisen passen dazu? Genau das schauen wir uns an.
Rakija trinken: Wie macht man es traditionell?

Wer auf dem Balkan Rakija trinken möchte, braucht dafür zunächst kein kompliziertes Ritual. Viel wichtiger ist, mit wem man am Tisch sitzt.
Rakija wird traditionell gerne zur Begrüßung von Gästen, als Aperitif, zu gemeinsamen Mahlzeiten und natürlich bei Feiern serviert. Das gemeinsame Anstoßen gehört dabei fast immer dazu.
In Serbien hört man vor dem ersten Schluck meistens „Živeli!“ – also „Prost!“ beziehungsweise sinngemäß „Auf das Leben!“.
Danach darf getrunken werden. Bei hochwertigem Rakija bedeutet das allerdings nicht zwangsläufig, das gesamte Glas in einem Zug zu leeren. Wer Premium-Rakija oder einen lange gereiften Obstbrand vor sich hat, sollte den Rakija langsam trinken. So lassen sich Frucht, Holz und weitere Aromen wesentlich besser wahrnehmen.
Rakija kalt oder warm trinken?
Eine der häufigsten Fragen beim Rakija trinken betrifft die Temperatur: Muss Rakija kalt sein?
Das hängt von Sorte und Reifung ab.
Junge, fruchtige Rakija können leicht gekühlt sehr angenehm schmecken. Hochwertige und insbesondere im Holzfass gereifte Rakija sollten dagegen nicht eiskalt serviert werden.
| Rakija | Empfohlener Genuss |
|---|---|
| Junger Obst-Rakija | leicht gekühlt |
| Slivovitz / Šljivovica | leicht gekühlt bis moderat temperiert |
| Kajsija / Aprikose | leicht gekühlt |
| Dunja / Quitte | leicht gekühlt bis moderat temperiert |
| Fassgereifter Rakija | eher weniger stark gekühlt |
| Alter Premium-Rakija | moderat temperiert |
Der Grund dafür ist einfach: Sehr niedrige Temperaturen können die Wahrnehmung von Aromen reduzieren. Gerade wenn Sie einen hochwertigen Rakija trinken, möchten Sie aber genau diese Aromen wahrnehmen.
Bei einem einfachen Shot ist das vielleicht weniger entscheidend. Bei einem mehrere Jahre im Fass gereiften Premium-Rakija wäre eine eiskalte Serviertemperatur dagegen ungefähr so sinnvoll wie ein guter Whisky direkt aus dem Gefrierschrank.
Kann man machen.
Wäre nur ein bisschen schade drum.
Aus welchem Glas sollte man Rakija trinken?

Traditionell können Sie Rakija aus kleinen Gläsern trinken. Auf dem Balkan findet man dafür unterschiedliche Formen, häufig sind es schmale kleine Schnapsgläser.
Bei hochwertigem und gereiftem Rakija kann sich allerdings ein kleines Degustations- oder Spirituosenglas lohnen. Durch die Form lassen sich die Aromen besser wahrnehmen.
Bevor Sie den Rakija trinken, riechen Sie deshalb ruhig vorsichtig am Glas. Nehmen Sie anschließend einen kleinen Schluck und lassen Sie ihn einen Moment im Mund.
Besonders bei gereiften Sorten können neben dem eigentlichen Fruchtaroma weitere Noten auftauchen, zum Beispiel:
- Vanille
- Holz
- Gewürze
- Honig
- Nüsse
- getrocknete Früchte
Genau hier zeigt sich der Unterschied zwischen bewusstem Genuss und „Živeli – weg damit“.
Rakija trinken als Shot – macht man das?
Natürlich kann man Rakija als Shot trinken. Gerade auf Geburtstagen, Hochzeiten und anderen Feiern passiert das regelmäßig.
Das bedeutet aber nicht, dass jeder Rakija dafür gedacht ist.
Bei einem hochwertigen Obstbrand spielen die verwendete Frucht, die Destillation und teilweise eine mehrjährige Fassreifung eine wichtige Rolle. Diese Unterschiede lassen sich kaum wahrnehmen, wenn der Inhalt des Glases innerhalb einer halben Sekunde verschwunden ist.
Wer einen guten Rakija trinken und wirklich schmecken möchte, sollte sich deshalb etwas Zeit nehmen.
Als Faustregel gilt: Je hochwertiger und komplexer der Rakija, desto mehr lohnt sich langsames Trinken.
Rakija vor oder nach dem Essen trinken?
Auch hier gibt es keine starre Regel. Sie können Rakija vor dem Essen trinken, ihn zu bestimmten Speisen genießen oder einen hochwertigen gereiften Rakija nach dem Essen servieren.
Auf dem Balkan wird Rakija traditionell häufig bereits als Aperitif angeboten und zusammen mit kleinen Vorspeisen getrunken.
Typische Begleiter sind beispielsweise:
- Käse
- Prosciutto und andere luftgetrocknete Fleischwaren
- Oliven
- eingelegtes Gemüse
- Brot
- Ajvar
- Nüsse
Kräftige oder länger gereifte Rakija können dagegen hervorragend nach einer Mahlzeit funktionieren.
Rakija ausschließlich als klassischen Digestif zu betrachten, würde seiner Rolle in der Balkan-Kultur deshalb nicht ganz gerecht.
Welchen Rakija zu welchem Essen trinken?
Wenn Sie Rakija zum Essen trinken, lohnt es sich, auf die verwendete Frucht zu achten. Ein Slivovitz aus Pflaumen besitzt schließlich einen völlig anderen Charakter als ein aromatischer Dunja aus Quitten oder Kajsija aus Aprikosen.
Slivovitz: Der klassische Pflaumen-Rakija passt gut zu kräftigen Vorspeisen, Fleisch, Käse und geräucherten Spezialitäten.
Dunja: Quitten-Rakija kann hervorragend mit Käse, Prosciutto, Nüssen und unterschiedlichen Vorspeisen harmonieren.
Kajsija: Der fruchtige Aprikosen-Rakija passt zu leichteren Speisen und kann auch zu bestimmten Desserts interessant sein.
Fassgereifter Premium-Rakija: Besonders komplexe Produkte können Sie wunderbar pur nach dem Essen trinken.
Natürlich entscheidet am Ende der eigene Geschmack. Die Rakija-Polizei wird nicht vor der Tür stehen, wenn Sie Ihren Slivovitz lieber zu Käse als zu Fleisch trinken.
Welche Rakija sollte man zuerst trinken?
Wer verschiedene Sorten kennenlernen möchte, kann das Rakija trinken auch als kleine Verkostung gestalten. Gerade die unterschiedlichen Früchte zeigen, wie vielseitig Rakija eigentlich ist.
Für den Einstieg bieten sich beispielsweise an:
| Rakija-Sorte | Frucht | Charakter |
|---|---|---|
| Šljivovica | Pflaume | kräftig, fruchtig |
| Dunja | Quitte | aromatisch, intensiv |
| Kajsija | Aprikose | weich, fruchtbetont |
| Viljamovka | Williamsbirne | duftig, fruchtig |
| Jabuka | Apfel | frisch, fruchtig |
Beginnen Sie bei einer Verkostung eher mit leichteren, fruchtigen Varianten und arbeiten Sie sich anschließend zu kräftigen beziehungsweise länger gereiften Produkten vor.
Besonders spannend ist es, jungen und fassgereiften Rakija derselben Frucht nebeneinander zu trinken. Dadurch wird schnell deutlich, welchen Einfluss die Reifung auf Geschmack, Duft und Farbe haben kann.
Rakija trinken: Welche Menge ist sinnvoll?
Rakija ist eine Spirituose mit entsprechend hohem Alkoholgehalt. Deshalb gilt auch beim Rakija trinken: lieber bewusst genießen als auf Menge setzen.
Gerade hochwertige Rakija sind ohnehin Produkte, bei denen der Geschmack im Mittelpunkt stehen sollte. Ein kleines Glas, langsam getrunken, gibt Ihnen wesentlich mehr Gelegenheit, die unterschiedlichen Aromen wahrzunehmen.
Wasser zum Rakija bereitzustellen, ist ebenfalls eine gute Idee – besonders bei einer längeren Verkostung oder einem ausgedehnten Essen.
Kann man verschiedene Rakija an einem Abend trinken?
Grundsätzlich können unterschiedliche Sorten gemeinsam verkostet werden. Wenn Sie mehrere Rakija trinken und miteinander vergleichen möchten, empfiehlt sich allerdings eine sinnvolle Reihenfolge.
Beginnen Sie mit leichteren und fruchtbetonten Varianten. Danach folgen kräftigere Rakija und zum Schluss lange gereifte Premium-Produkte.
So werden feine Aromen eines leichten Aprikosen-Rakija nicht von einem intensiven, lange im Fass gereiften Slivovitz überlagert.
Zwischen den Sorten etwas Wasser zu trinken, hilft ebenfalls dabei, die einzelnen Rakija besser miteinander vergleichen zu können.
Fazit: Rakija trinken bedeutet genießen
Rakija trinken gehört auf dem Balkan zu Gastfreundschaft, gemeinsamen Mahlzeiten und besonderen Momenten. Dabei muss Rakija weder eiskalt sein noch grundsätzlich als Shot getrunken werden.
Junge und fruchtige Sorten können leicht gekühlt hervorragend schmecken. Hochwertige, fassgereifte Rakija verdienen dagegen etwas mehr Zeit und eine Temperatur, bei der sich ihre Aromen entfalten können.
Wer zum ersten Mal bewusst Rakija trinken möchte, sollte verschiedene Früchte ausprobieren. Slivovitz aus Pflaumen, Dunja aus Quitten und Kajsija aus Aprikosen zeigen schnell, wie unterschiedlich ein Rakija schmecken kann.
Und am Ende ist die wichtigste Regel ohnehin ziemlich einfach:
Gutes Essen, gute Gesellschaft, ein guter Rakija – und vor dem ersten Schluck ein ordentliches „Živeli!“.
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